TOXISCHE MÄNNLICHKEIT

Wann ist ein Mann ein Mann?

Ja, Mann sein ist schon geil! „Männer können einfach alles“.

Mächtig und erfolgreich sein, unabhängig und stark (außer sie haben gerade Grippe), potent und selbstbewusst, heldenhaft und mutig, allwissend und scharfsinnig, beschützend und liebevoll, süß – ahhhhh, nein das vielleicht nicht.

Aber natürlich sind sie trinkfest und können im Stehen pinkeln! Gehört ja zum richtiger Mann-sein dazu. Oder?? Was ist männlich? Und wie männlich darf der Mann noch sein in der #meetoo Gesellschaft?

 

THE GUARD

„Männer sind einfach sonderbar“

„Ich dachte Ihr Schwarzen könnt nicht Ski fahren … oder war das Schwimmen?“

Pöbeln, saufen, Nutten bestellen und vor allem immer gerade das tun und sagen, was man will. Political Correctness? Fehlanzeige.

Der Regisseur John Michael Mc Donagh spielt in „The Guard“ mit den Klischees eines echten „Cowboys“. Sergeant Gerry Boyle, irischer Kleinstadtpolizist, schert sich einen Dreck um Höflichkeit und Konventionen. Er macht sein Ding, völlig unsentimental. Vom Unfallopfer zieht er sich erstmal die Drogen rein und dann wird das ein „verfickt geiler Tag“.

Szene aus „The Guard“

Als der schwarze FBI Agent Wendel Everett in die Stadt kommt, um Drogendealer aufzuspüren, provoziert er ihn mit unverschämten Kommentaren und seiner Dickköpfigkeit. Das sind definitiv die witzigsten Stellen des Films. Ab und an aber merkt man doch, dass eigentlich ein guter Kern in Boyle steckt und er gar nicht so „cool“ ist, wie er tut. Besonders, wenn es um Gerechtigkeit geht. Von Dealern schmieren lassen – keine Chance. Das würde seine Ehre und sein Selbstverständnis untergraben. Er verlässt sich lieber auf seine Kompetenz und als es zum fast aussichtslosen Showdown kommt, steht er heroisch seinen Mann.

Im Gegensatz dazu lässt Mc Donagh die eigentlich harten Drogendealer über Nietzsche und die Unsinnigkeit ihres Jobs philosophieren. Wenn sie verträumt vorm Aquarium stehen und monogame Beziehungen ersehnen, können einem dabei nur die Tränen kommen. Ob vor Lachen oder Mitleid, bleibt da jedem selbst überlassen.

Alles in allem führen die grotesken Szenerien zu wirklich aberwitzigen Situationen. Vor allem die Dialoge zwischen Boyle und Everett sind herrlich schwarzer Humor und super für die Bauchmuskeln. Brendan Gleeson als Boyle ist fantastisch und auch der Rest des Casts mehr als stimmig. Nur die Story an sich hätte etwas mehr Spannung vertragen können. Da kommt John Michael leider nicht an das Können seines Bruders Martin McDonagh (Brügge sehen… und sterben?) heran. Trotzdem für mich ein lustiger, sehenswerter Film.

good or bad?

 

MÄNNER DIE AUF ZIEGEN STARREN

„Männer führen Kriege“

„Ich tat, was jeder Mann tut, dem eine Frau das Herz gebrochen hat – ich zog in den Krieg.“

Ja, Krieg ist etwas Männliches. Kampf, Macht, Waffen, Aggression – ohne Männer gäbe es sicherlich weniger bis keine Kriege auf dieser Welt. Umso genialer die Idee, eine gewaltfreie Armee aufzubauen, die im Sinne der Hippie-Bewegung nur mit dem Geiste kämpft und sich für den Frieden einsetzt. Eine geheime US-Spezialeinheit wird zu modernen Jedi-Kriegern ausgebildet, um mit parapsychologischen Kampftechniken wie Fernwahrnehmung und Unsichtbarkeit die Welt zu retten. „Mutter Erde, du bist meine Lebensgrundlage. Lehre mich, mein Herz zu öffnen und zu verstehen, dass Du mir Kraft und Nahrung spendest.“

Grant Heslows Film ist eine Parodie auf das gesamte Militär und das dazu gehörige Männerbild. Emotion statt Testosteron – soweit großartig!

Szene aus „Männer die auf Ziegen starren“ mit George Clooney

Mähähähä, da gibt es aber einiges zu Meckern

Eine tolle Idee, ein witziges Filmplakat und jede Menge Stars. Da kann eigentlich nichts schief gehen – oder eben alles.

Bei „Männer die auf Zeigen starren“ hatte ich große Erwartungen. Leider wurden sie nicht im Geringsten erfüllt. Die Jokes versuchten krampfhaft witzig zu sein, die Charaktere sind lächerlich anstatt komisch, und die Story schlichtweg langweilig bis nicht vorhanden. Denn eine klar ersichtliche Mission gibt es nicht und Erfolg schon gar nicht. Da helfen auch George Clooney, Kevin Spacey und Jeff Bridges nichts.

Sehr schade um die schöne Idee. Ich wüsste zu gerne, was heraus gekommen wäre, wenn die Coen-Brüder dieses Drehbuch verfilmt hätten…

was meint ihr?

 

STARBUCK

„Männer kriegen keine Kinder…“

Und wenn doch, dann gleich über 500! Wenn schon denn schon, oder? Das größte Symbol für Männlichkeit ist schließlich die Potenz. Die Samen müssen ausgiebig verteilt werden. Das ist biologisch bedingt wie es heißt (gäähhhhn), Männer können gar nicht anders.

Zum Aufziehen von Kindern sind sie dann normalerweise aber eher weniger gemacht…

Verantwortung ist sowieso nicht so Davids Ding. Den Posten als Fleischlieferant in der Firma seines Vaters übernimmt er eher schlecht als recht und auch sonst schummelt er sich lieber bequem durch sein Leben. Bis ihn eines Tages eine Sammelklage von 140 seiner 500 anonym gezeugten Kindern erreicht. Denn um seine Schulden zu bezahlen, hat David exzessiv Samen in einer Klinik gespendet…

Zusätzlich wird seine Freundin schwanger. Alles ein riesengroßes Schlamassel. Doch dann öffnet er den Brief mit den Identitäten seiner Kinder und siehe da, wer kommt als erstes zum Vorschein? – ein nationaler Fußball Star – ach, surprise!

Szene aus „Starbuck“

Angespornt von Stolz und dem Wunsch sein Leben sinnvoll zu verändern, beschließt er, seine Kinder eines nach dem anderen kennen zu lernen und sich auf seine Weise um sie zu kümmern. Natürlich immer noch anonym. Das ist teilweise rührend, teilweise leider doch ein bisschen zu unrealistisch und kitschig. Dass väterliche Verantwortung plötzlich für ihn zur Erfüllung wird ist ja schön und eine gute, wünschenswerte Eigenschaft in der heutigen Gesellschaft. Das Ausmaß und die unglaubliche Reibungslosigkeit, mit der das alles von statten geht ist allerdings ein bisschen zu viel des Guten. Männlichkeit verträgt eben doch nicht zu viel Kitsch.

Oder?

 

DIE JAGD

„Männer sind so verletzlich“

Normalerweise würde jetzt wohl noch ein Film über einen Sexualstraftäter oder Ähnliches kommen. Denn eigentlich „können Männer ja alles“, auch ihre Macht und Stärke gegenüber Frauen ausüben. In früheren Jahrhunderten oder anderen Regionen dieser Welt haben Männer so gesehen das große Los gezogen. Im Westen und in Zeiten der #meetoo Debatte kann diese Stärke unter Umständen auch mal zur Schwäche werden.

In Vinterbergs dänischem Drama „Die Jagd“ ist allerdings Unschuld das Thema. Und genau die Vorurteile und Eigenschaften, die den Männern anhaften. Kann ein Mann nicht auch kinderlieb und sensibel sein dürfen ohne sexuellen Hintergedanken? In unserer Gesellschaft wird das zumindest immer noch kritisch beäugt oder belächelt. Kindergärtner ist eben kein Männerberuf und wenn ist es verdächtig.

Wenn ein kleines, süßes Kindergartenkind nun Anschuldigungen erhebt kann es schnell schwierig werden die eigene Unschuld zu beweisen. Nicht unbedingt vor der Justiz, aber meist vor der Gesellschaft. Grundsätzlich ist dieser Schutz etwas Gutes und sollte nicht nur bei Kindern sondern auch bei Frauen selbstverständlich sein. Nicht nur in Kriegen oder bei häuslicher Gewalt sind Frauen oft sexuellem Missbrauch ausgesetzt, auch am Arbeitsplatz nutzen Männer ihre Macht oft aus, was der #meetoo Skandal mehr als deutlich zeigt.

Szene aus „Die Jagd“ mit Mads Mikkelson

Vinterberg, der schon einige starke Filme wie „Das Fest“ und „Die Kommune“ hervorgebracht hat, beleuchtet den umgekehrten Fall. Beklemmend zeigt er, wie der unschuldige Kindergärtner Lucas durch die Hetzjagd einer ganzen Kommune innerhalb von kürzester Zeit Ansehen und Leben verliert. Die Bosheit und Undifferenziertheit, die ihm selbst von seinen engen Freunden entgegenschlägt, verschlägt einem den Atem. Ein wenig hat mich das Szenario an „Dogville“ erinnert, wenngleich das Thema ein anderes ist.

Trotz des schweren Themas behält der Film eine gewisse Leichtigkeit. Mit einer unglaublich simplen Geschichte und begnadeten Schauspielern schafft es der Däne uns in den Bann zu ziehen und zum Nachdenken zu bringen. Vor allem ständig zu hinterfragen und genau zu prüfen. Denn es ist nicht immer, wie es scheint und auch das Ausnutzen von Schwäche ist Missbrauch. Und auch Männer müssen verletzlich und empfindsam sein dürfen!

Eure Meinung Männer?!

 

Die Jagd war 2014 für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert.

Auf dem Filmfestival von Cannes 2012 wurde Mads Mikkelsen als Bester Darsteller ausgezeichnet. Beides für mich mehr als verdiente Preise.

1 Kommentar

  1. Cooler Blog und gute Idee!! Auf sowas warte ich schon lang. Schade nur dass man das viel zu wenig checkt mit dem Blog und den Themen. Solltet ihr deutlicher machen auf eurer Website. Auch was anders ist bei Euch bzw. was ich als Kunde davon hab…

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