OBSESSION

Do you know the difference between love and obsession?

„I don’t eat, I don’t sleep, I do nothing but think of you“

Ist das der Zustand der Obsession? Oder ist es doch „nur“ Leidenschaft? Und wo liegt die feine Grenze zwischen der „Amour fou“, der rasenden Liebe und der negativ konnotierten Besessenheit der Obsession, die einen nicht mehr loslässt?

Für mich liegt der Unterschied in dem Verlust des Selbst – dem Verlust der so wichtigen Verbindung zum eigenen Ich. Alles Denken und Handeln wird bei der Obsession beherrscht von dieser „einen Sache“. Irgendetwas Tiefliegendes, nicht mehr Kontrollierbares, treibt einen zu irrationalem, oft ungesundem Verhalten. Man ist wie gefangen, es gibt keine Distanz mehr. Letztendlich verliert man sich.

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Don Jon

„I fucking loose myself“

Aber das ist doch eigentlich gar nicht so schlecht oder? Für Don ist das zumindest der Grund für seine Pornosucht. „Für einen Moment lang – erzählt er uns – blende ich all die Scheiße aus. I fucking loose myself.“ Es scheint im ersten Moment echt verrückt, wenn er sich nach dem Sex mit seiner heißen Freundin (Scarlett Johanson) aus dem Bett an seinen Computer schleicht, um sich bei Pornos einen runter zu holen. Pornos sind für ihn besser als echter Sex, denn man bekommt eben genau das, was man will. Und das auch noch ganz einfach! Besser geht’s doch gar nicht oder!? Und machen das nicht tausende Leute auf eine andere Weise, wenn sie sich am Wochenende mit Alkohol und Koks wegbeamen? Ist das nicht irgendwie das Selbe?

Szene aus „Don Jon“

Die Frage ist, macht es auf Dauer glücklich??

Denn das alles ist, wie es Esther, eine Mitstudentin von Don ausdrückt, „nicht echt.“

Im Grunde ist es für ihn ein Zwang, eine Flucht vor der Realität und letztendlich vor den Untiefen seines Selbst. Die Pornos genauso wie seine Selbstdarstellung.

Erst als ihn seine scheinbar perfekte Freundin wegen seiner Pornosucht verlässt und er sich auf echte Nähe mit der reiferen Esther einlässt, verwandelt sich seine gespielte Coolness in entspannte Souveränität und Glück. In dem Moment, in dem er seine Obsession aufgibt, sich in einer anderen Person „verliert“, findet er zu sich selbst. Obsession wird zu echter Liebe.

Im Gegensatz zu Steve McQueen, der in seinem Film „Shame“ die Sexbesessenheit als schweres Thema inszeniert, versucht Gordon-Levitt in seiner ersten Regiearbeit daraus eine Komödie zu machen. Obwohl man sich am Ende bei dem Mix eigentlich nicht so ganz sicher ist, was man da eigentlich für ein Genre gesehen hat. Den Seitenhieb auf die Kirche fand ich im Zusammenhang mit Obsession aber auf jeden Fall amüsant und die Ansätze lobenswert. Wenngleich die Lösung des altbekannten Themas doch etwas zu simpel rüber kam. Wenn es so leicht wäre, würden es sicher mehr Menschen hinbekommen. Oder nicht?

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Silver Linings

„Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?“

Mehr als amüsant ist der Hit „Silver Linings“ aus dem Jahr 2012, für den Jennifer Lawrence den Oscar erhielt. Die Obsessionen der Charaktere werden hier zwar nicht lächerlich, aber durchaus überzogen und komisch dargestellt. Sind wir nicht alle ein bisschen bluna? suggeriert der Film, bei dem Normalität echte Rarität ist. Die eigentlich schwerwiegenden Macken werden für den Zuschauer im Laufe des Films geradezu liebenswert. Und am Ende finden die beiden Protagonisten genau wegen ihrer Spleens und Andersartigkeit zusammen.

Szene aus „Silver Linings“

Das ist vor allem zu Beginn sehr witzig und spannend, verliert allerdings für mich gegen Ende ein wenig an Glaubwürdigkeit und Tiefe. Nicht, dass man ein an sich schwieriges Thema nicht mit Humor behandeln könnte! Im Gegenteil, ich liebe diese Herangehensweise. Aber die drastischen psychischen Probleme von Tiffany und Pat verpuffen dann doch zu schnell in einem 0815 Hollywood Happy End.

Denn immerhin geht es um einen Mann mit einer Persönlichkeitsstörung, der an unkontrollierten Wutausbrüchen leidet, die sein Leben zerstören. Und eine Frau, die ihre Depression nach dem Tod ihres Mannes mit obszessivem Sex zu lindern sucht – der Grund, warum sie Pat auflauert. Das verpufft aber zum Ende des Films hin plötzlich total im Tanztraining. Trotzdem natürlich ein guter Film, der die menschlichen Schwächen mal ins Positive verkehrt und einen auf lustige Weise eventuell ein bisschen zum Nachdenken bringt, ob man nicht auch ein bisschen bluna ist?

Bist du es?

 

Der Menschliche Makel

Sind wir alle feige?

Wie es der Titel schon erahnen lässt: Die Romanverfilmung von Robert Benton mit Antony Hopkins und Nicole Kidman hält kein Happy End bereit. Makel ist hier gleichbedeutend mit Schwäche und die führt zu nichts Gutem. Insofern eigentlich genau das Gegenteil von Silver Linings.

Szene aus „Der menschliche Makel“

Die Verleugnung der eigenen Geschichte wird zur selbstzerstörerischen Obsession des Literaturprofessors Coleman Silk. Selbst als alles für ihn auf dem Spiel steht, hält er an der Lüge über seine Identität fest. Als er sich in eine ungleiche Affaire flüchtet, stoßen zwei Obsessionen aufeinander. Denn der Ex –Mann von Faunia will sie zurück – um jeden Preis. Coleman bezahlt mit dem Tod.

Obwohl mich der Film zugegebenermaßen nicht wirklich überzeugt hat, zeigt „Der menschliche Makel“ erschütternd, wie subtil und gleichzeitig verhängnisvoll Obsession sein kann. Für Coleman wäre es ein Leichtes gewesen, die Anschuldigungen gegen ihn abzuwenden und sein bisheriges Leben zu retten. Doch er ist gefangen in dem Glauben und der Überzeugung, seine Herkunft verstecken zu müssen. Er verliert sich – seine Identität, seine Ideale, sein Leben. Warum? Weil er letztendlich nicht den Mut hat, sich selbst zu zeigen und sich gegen die Konventionen der Gesellschaft zu stellen.

Wie oft machen wir das selber, tagtäglich? Ohne dass es anderen und uns selbst wirklich auffällt. Das ist vielleicht die Frage, die man sich nach diesem Film stellen sollte.

Anderer Meinung?

 

Blau ist eine warme Farbe

„Verstehen Frauen mehr von Liebe?“

Nach den Regeln der Kunst ist blau eigentlich eine kalte Farbe. Außer natürlich, man hat eine besondere Leidenschaft für sie. Dann wird sie zu etwas Brodelndem, Mitreißendem.

Szene aus „Blau ist eine warme Farbe“

So wie Emma Adeles Gefühlswelt einnimmt, nachdem sie sich das erste Mal begegnet sind. Von da an wird man selbst mitgerissen in eine dreistündige Liebesgeschichte von größtem Hochgefühl und sexueller Ekstase bis zur tiefsten Trauer und schmerzvoller Verzweiflung.

Es ist diese Intensivität der Gefühle und die Intimität der beiden Schauspielerinnen, die den Film ausmachen. Das erste Mal ging die goldene Palme in Cannes deshalb nicht wie normal nur an den Regisseur des Filmes Kechiche, sondern auch an die Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adele Exarchopoulos.

Aber hier wäre ich wieder bei meiner Anfangsfrage: ist das wirklich Obsession? Für mich geht es hier um intensive Liebe, so wie sie eigentlich sein sollte, wie man sie jedem wünscht. Denn Adele verliert sich eben nicht. Sie weiß immer noch was sie will, geht ihrem Wunsch als Lehrerin zu arbeiten nach, und als es zu Ende geht, verfolgt sie Emma nicht. Sie ist lediglich tief traurig. Aber ist das nicht normal? Schließlich war es ihre erste große Liebe, und die vergisst man ja bekanntlich nie.

Die Männer in unserer Redaktion haben da wohl die langen Sexszenen zwischen zwei jungen Mädels gesehen und den Film mal schnell in ihrem Horizont zu Obsession eingeteilt. Aber dass das eben einfach intensive Liebe ist – klar dass das Männer nicht verstehen…

Here a Song for you:

„The greatest thing you’ll ever learn is how to love and be loved in return“

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