KUNST

Was ist Kunst, wie viel ist sie wert und was hat Film damit zu tun? Willkommen Independent- Film-Fans zur ersten Themenreihe von INDIEswitch „Kunst und ihr Ausdruck“!

 

Ist das Kunst oder kann das weg?

Nicht erst, seit eine Putzfrau im Londoner Tate Museum ein wertvolles Werk von Gustav Metzger in den Mülleimer geworfen hat, ist diese Frage zum geflügelten Wort in der Diskussion um Kunst geworden. Bedeutet Kunst nun Idee, Schönheit, Können, Trend, oder einfach nur persönlicher Ausdruck? Was kann als Kunst bezeichnet werden und was nicht? Bei wenigen Dingen gehen die Meinungen so weit auseinander – und natürlich auch bei Filmen. Wie schockiert ist man oft, wenn der beste Freund mit dem eigenen Lieblingsfilm nichts anfangen kann. Wenn er oder sie die Geschichte, die Grandiosität der Schauspieler, die Schönheit von Musik, Szenenbild und Kostüm nicht erkennt. Denn all das wird in einem Film zusammengeführt und zu einem eigenständigen Werk erhoben. Gerade auch deshalb starten wir unsere Reihe mit dem Thema Kunst und wollen mit euch diskutieren: ist der Film ein Kunstwerk oder eben doch nur ein Versuch?

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Beltracchi – die Kunst der Fälschung

Szene aus Dokumentarfilm „Die Kunst des Fälschens“ über Wolfgang Beltracchi

Wer stand nicht schon mal in einem Museum vor einem Bild und dachte sich: na das kann ich auch! Und, habt ihr es ausprobiert? Der Maler Wolfgang Beltracchi hat genau das getan, und ist zum größten Kunstfälscher unserer Zeit aufgestiegen. Mit Geschicklichkeit und Können gelang es ihm den gesamten Kunstmarkt jahrelang an der Nase herum zu führen. Bis zu 300 Bilder fälschte er und verdiente damit Millionen.

Über diese Kuriosität hat der deutsche Regisseur Arne Birkenstock einen Film gemacht, den die Deutsche Filmakademie 2014 mit dem Deutschen Filmpreis als „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet hat und den wir in unser Programm aufgenommen haben.

Spannend ist der Film deshalb, weil er zeigt, wie Beltracchi als Fälscher arbeitet und wie leicht es ihm die Mechanismen des Kunstmarktes machten, seine Bilder an den Mann zu bringen. Beltracchi selbst kritisiert, dass heutzutage oftmals nicht mehr das Kunstwerk selbst, sondern die Unterschrift und somit die Zuordnung von Angebot und Nachfrage im Markt ausschlaggebend sind. Kunst wird zur spekulativen Ware. Es wird also nicht nur Beltracchi portratiert, sondern auch der Kapitalismus eines übersättigten Kunstmarktes kritisch beleuchtet.

Besonders interessant wird es aber bei der Diskussion um das Wesen der Kunst. Denn er wirft die Frage auf, ob ein Fälscher nun auch ein Künstler ist – oder, wenn er alle bedeutenden Künstler spielerisch nachahmen kann, sogar noch ein Größerer als diese selbst? Ist es also die Idee, die jemanden zum Künstler werden lässt oder das Können und Erschaffen? Beltracchi selbst zumindest hält sich für das wahre Genie. Auch ich finde sein Talent wirklich beeindruckend. Was ist eure Meinung dazu? Ist Beltracchi erst mit seinen eigenen Bildern des „Free Method Painting“, siehe Interview zum Künstler geworden?

Der Film als Kunstwerk hat mich allerdings persönlich nicht ganz überzeugt. So interessant und spannend Protagonist und Thema sind, ist die Umsetzung doch an einigen Stellen zu langweilig geraten. Für meinen Geschmack hätte es inhaltlich und künstlerisch tiefer gehen können.

Was ist Kunst wert? Kleiner Sidekick zum Kunstmarkt: die teuersten Gemälde der Welt

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Die Frau in Gold

Szene aus „Frau in Gold“

Wo wir gerade bei berühmten Bildern und irrationalen Summen sind, komme ich zu dem Film, der sich mit der Geschichte eines der bekanntesten Gemälde Gustav Klimts beschäftigt. „Die Frau in Gold“ wurde 2006 für den Rekordpreis von sage und schreibe 135 Millionen Dollar von dem Besitzer einer Galerie in New York ersteigert. Ein Kunstwerk, das aber nicht nur einen immensen Geldwert, sondern auch einen hohen emotionalen und gesellschaftlichen Wert besitzt.
Für den österreichischen Staat die „Mona Lisa Österreichs“, für die Erben Erinnerung an Familiengeschichte und Identität, entfacht sich ein beispielloser Gerichtsstreit um den Besitzt des Bildes. Das Portrait der Adele Altmann wurde während des Nationalsozialismus von den Nazis entwendet und musste nach dem Urteil eines Schiedsgerichtes an die Erbin Maria Altmann zurückgegeben werden. Neben Helen Mirren, Ryan Reynolds und Katie Holmes spielen auch deutsche Größen wie Daniel Brühl und Tom Schilling an der Seite der Stars. Insgesamt bietet der Mix aus Rückblenden und Gerichtsszenen einen interessanten Einblick in die Geschichte von Kunstraub und persönlichem Bezug zu Kunstwerken.
Wer sich allerdings für die genauen Details des Prozesses interessiert, kann sich hierzu den Dokumentarfilm „Die Affäre Klimt“ von Jane Chablani ansehen.

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YVES SAINT LAURENT

Szene aus „Yves saint Laurent“

Natürlich müssen Kunstwerke nicht immer nur Gemälde darstellen und schon das Sprichwort „Kleider machen Leute“ drückt aus, dass sich Identität und Individualität über Mode ausdrücken lassen. Der Designer Yves Saint Laurent hat Stil und Aussage wie kein Zweiter vereint und mit seinen Kollektionen nicht nur die Modebranche revolutioniert.

Er liebte die Schönheit und war selbst leidenschaftlicher Kunstsammler, aber für ihn war eben die Mode Mittel zum Ausdruck. Sein Mondrian Kleid, dessen Design von den Gemälden des niederländischen Malers Piet Mondrian inspiriert wurde, erreichte Kultstatus. 1966 eröffnete Laurent seine erste Boutique mit Prêt-à-porter-Modellen, womit er seine Mode auch für die durchschnittliche Bevölkerung erschwinglich machen wollte.

Mit der Kollektion „Liberation“ und besonders dem Damensmoking, sorgte er für Furore und gesellschaftlichen Wandel. Er macht die Frau dem Mann ebenbürtig und buchte als einer der ersten Designer schwarze Models wie beispielsweise Naomi Campell.

Seine eigenen Zweifel, dass Mode keine ernsthafte Kunst sei, wurden 1983 vom New Yorker Metropolitan Museum of Art zerstreut. Als erstem Modedesigner wurde ihm die Ehre einer Ausstellung ausgewählte Arbeiten zuteil.

Leider wird die Tatsache, dass Yves Saint Laurent die Modebranche umgekrempelt hat, nicht wirklich im Film transportiert. Erst mit der Widmung im Abspann wird klar, was für einen immensen Einfluss er auch auf die Gesellschaft hatte.
Vielmehr stehen die Liebesgeschichte zu seinem Partner und die Drogenprobleme des sensiblen Genies im Vordergrund. Wenigstens wird dadurch eine weitere Frage bzw. ein Klischee thematisiert. Wie nah liegen Künstlertum, Genie, Passion und Wahnsinn beieinander? Aber wird der Film damit der Person Yves Saint Laurent’s gerecht?

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Mädchen mit Perlenohrring

Nicht jeder Künstler hat allerdings das Glück reich und berühmt zu werden. Der Maler Vermeer erlangte zu Lebzeiten zwar gewisse Bekanntheit, hatte aber als Familienvater von elf Kindern stets mit Geldsorgen zu kämpfen. Kunst ist hier Leidenschaft und Inspiration. Vermeer strebte nach Vollkommenheit und Perfektion in seinen Bildern. So wurde das Bild „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ zum Inbegriff von Schönheit und Anmut. Eben dieses Kunstwerk inspirierte die Autorin Tracy Chevalier zu der Geschichte über die Entstehung des Gemäldes.
Wie ein altes Gemälde von Vermeer fühlt sich auch der gesamte Film an. Er lebt von schönen, detailreichen Bildern im Stil des niederländischen Malers und nimmt uns mit in die Welt der Farben.

Übrigens empfindet Wolfang Beltracchi hohen Respekt für Vermeer. Für ihn ist der Meister der Lichteffekte eine der wenigen echten Herausforderung bei seinem neuen Projekt mit Christian Zott, siehe Interview.

Die Magd Grit – im Film Scarlett Johansson, ist dabei Muse und Inspiration für den Maler, verhilft ihm zur Kreativität, sodass sich die Liebe zur Kunst mit der Liebe zum Objekt vermischt. Ansonsten bemüht sich die noch sehr junge Johansson trotz wenig Story Spannung in die Geschichte zu bringen. Dies gelingt wegen fehlender Plot Points aber nicht immer und hinterlässt eine eher ruhige Studie für Kunstliebhaber, als einen eindringlichen Film. Ich persönlich war ein wenig enttäuscht, hatte ich mir doch von der hochkarätigen Besetzung und dem 3malig Oscar-nominierten Film ein wenig mehr erwartet.

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1 Kommentar

  1. Tolle Idee, sich dem Film mal so zu nähern. Es ist wie du sagst: es liegt immer im Auge des Betrachters, ob etwas Kunst ist. Und für Filme gilt das eben genau so wie für Bilder. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, das Filme für mich Kunst sind, wenn ich sie auch mehrmals mit Gewinn sehen kann. Manchmal bluffen sie auch nur.

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