KAPITAL und ALLTAG

Geld regiert die Welt – oder auch: Ohne Moos nix los. Kapital bedeutet Status, Erfolg, Wohlstand, Wissen, Freiheit, Sicherheit und Individualität. Aber vor allem bedeutet es MACHT. 

Macht über das eigene Leben und über das Anderer. Je nach Menge sogar über ganze Gesellschaften. Mehr als 150 Jahre nach Karl Marx Klassiker „Das Kapital“ ist die Gesellschaft stärker denn je von Kapital beeinflusst. Es ordnet unsere Beziehungen zueinander und zu uns selbst. Alles dreht sich darum, denn wer es hat, hat Einfluss. Scheinbar.

 

A MOST WANTED MAN

Geld ist schmutzig und stinkt

Nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes. Der flüchtige Muslim Issa Karpov weiß, wie viel Blut an den Millionen klebt, die ihm sein Vater hinterlassen hat. Und auch der Privatbankier Mr. Brue ahnt, aus welchen Quellen das meiste Geld seiner Bank stammt. Deshalb sind sie einige der wenigen, die nichts damit zu tun haben wollen.

Für viele andere allerdings hört nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Moral auf, wenn es um Geld und der damit verbundenen Macht geht. So auch für die islamistische Untergrundorganisation von Abdullha, für die Geld ein willkommenes Mittel im Kampf gegen den Westen ist. Es dient der Beschaffung von Waffen und der Rekrutierung neuer Soldaten.

Durch jahrelange Recherchen versucht der Agent Günther Bachmann den Drahtzieher der Organisation an die Angel zu bekommen, „um die Welt, wie es seine amerikanische Kollegin formuliert, ein bisschen sicherer zu machen“. Doch am Ende muss selbst er wieder feststellen, dass es niemals um den Schutz der Gesellschaft und des Individuums geht, sondern um die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung der Staaten. Und wie so oft spielt da auch der Westen nicht mit sauberen Karten.

Der deutschsprachige Romantitel „Marionetten“ von John le Carré, auf dem der Film basiert, wäre hier passender gewesen. Denn im Grunde ist der Agent Bachmann lediglich eine Figur im schmutzigen Spiel um Wissen, Geld und Macht. Und letztendlich zeigt der Film, sind wir alle Marionetten der Mächtigen, die mit schweren Goldgewichten an den Fäden ziehen und unser Schicksal beeinflussen.

Das hätte man definitiv noch spannender und dramatischer gestalten können, aber Philip Seymour Hoffman spielt den etwas heruntergekommenen Agenten so gut, dass man keinen Zweifel an der Echtheit der Gegebenheiten hegt. Abgeklärt trinkt und raucht er sich als Einzelgänger durch eine grau-schwarze Parallelwelt in Hamburg, so als ob er in der realen Welt gar nicht mehr existieren würde. Tragisch ist, dass er kurz vor der Premiere des Films wirklich an einer Überdosis aus Alkohol und Drogen gestorben ist. Auch das Filmbusiness ist eben eine harte Welt.

P.S. Auch Willem Dafoe spielt in der deutsch-amerikanischen Produktion mit, der gerade auf der Berlinale in der Reihe Hommage vertreten ist. Ebenso Daniel Brühl und Herbert Grönemeyer, der auch den Soundtrack lieferte.

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TONI ERDMANN

Mein Haus, mein Auto, mein Boot mein Glück?

Alles hat seinen Preis. Auch Geld. Nur leider erkennen das viele Menschen erst zu spät oder nie. Von Kindheit an wird unsere Gesellschaft auf kapitalistische Werte geeicht. Geschafft hat es derjenige, der Erfolg hat, viel verdient und viel konsumiert. Andere Werte? Wozu? Karriere und Konsum besetzten doch prima den Sinn des Lebens! 

Die junge Ines Conradi gehört zu dieser neueren Generation, die sich ständig selbst optimiert und ihre Karriere über alles stellt – über Familie, Beziehung, Freunde und Freizeit. Von außen gesehen lebt sie als erfolgreiche Unternehmensberaterin ein Vorzeigeleben, aber innerlich ist sie gestresst und leer. Eingestehen kann sie sich das aber natürlich nicht.

Ihr Vater, der sie zuerst nur besucht, weil er keine Tochter mehr hat, erkennt, dass sie nicht glücklich ist. „Bist du glücklich? Bist du überhaupt ein Mensch?“, spielt er auf ihr ständiges Hinterherrennen nach Erfolg an. Doch da prallen zwei Welten aufeinander, in der es keine gemeinsame Basis für Kommunikation gibt. Ines kann nichts anfangen mit der rührseligen und verträumten Art des Vaters. Da bleibt Winfried nur eine radikalere Methode – er erfindet sein zweites Ich „Toni Erdmann“ und sabotiert mit witzig-peinlichen Auftritten sukzessive das Arbeitsleben seiner Tochter.

Maren Ade schafft es mit ihrer dritten Regiearbeit „Toni Erdmann“ 2016 seit langem mal wieder einen deutschen Film ins Rennen der Filmfestspiele in Cannes zu bringen. Zwar geht sie bei der Vergabe der goldenen Palme leer aus, erntet aber den FIPRESCI-Preis, die Auszeichnungen Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Darsteller beim Europäischen Filmpreis und eine Oscar Nominierung.

Besonders gelobt wird die Leichtigkeit und Komik, mit der Ade die Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft anhand einer alltäglichen Vater-Tochter Beziehung übt. Die Einsamkeit und Fassade der Business Welt wird mit Peinlichkeit durchbrochen. Plötzlich gibt es wieder Menschlichkeit und echte Freiheit – Freiheit sich selbst zu erkennen und seine eigenen Werte zu leben –  bzw. überhaupt zu Leben.

Von der Leichtigkeit und dem Witz habe ich leider nicht viel mitbekommen. Die Szenen, die sich zwischen Vater und Tochter abspielen, waren eher beklemmend und durchaus mehr, als reine Gesellschaftskritik. Denn man muss sich doch fragen, was in dieser Beziehung vorher sonst noch falsch gelaufen ist, damit man sich so gar nichts mehr zu sagen hat? Und was die Karrieregeilheit bei Ines vielleicht ersetzt, was andere Menschen trotz Kapitalismus nicht so sehr benötigen? Aufgelöst wird am Ende nichts und die Nackpartyszene (muss eigentlich in jedem modernen Arthouse Werk jemand nackt sein???) ist mir dann für die spröde Ines doch etwas zu weit hergeholt.

Toni Erdmann ist sicherlich ein guter Film, in meinen Augen ist der extreme Hype aber doch etwas überbewertet. Trotzdem ein Film, den man sich anschauen sollte, vor allem weil es ein guter deutscher Film ist.

 

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DALLAS BUYERS CLUB

Was ist ein Menschenleben wert?

Und sind diese Leben alle gleich viel wert? In unserer Welt sicher nicht. Welcher Schicht man angehört bestimmt maßgeblich, wie der eigene Wert bemessen und wie viel sich um einen gekümmert wird. Die Verbreitung von HIV entwickelte sich Anfang der 1980er Jahre zu einer Pandemie, die vor allem homosexuellen zugeschrieben wurde.

Homophobie und die zwielichtigen Methoden der Pharmakonzerne werden in Dallas Buyers Club durch Matthew McConaughey und Jared Leto wieder zum Leben erweckt. Dafür hat es allerdings fast 15 Jahre gebraucht, denn niemand wollte Geld für eine Produktion mit solch einem Außenseiter Thema geben…

Zum Glück hat Regisseur Jean-Marc Vallée nicht locker gelassen und mit wenig Budget einen tollen und vor allem sehr wichtigen Film gedreht. Er zeigt nicht nur, wie Mitglieder einer Gesellschaft ausgegrenzt und ihrem Schicksal überlassen werden, sondern auch wie aus der Not anderer Geld gemacht wird. Die Pharmaindustrie in den USA will sich keinerlei Profit entgehen lassen und geht dabei buchstäblich über Leichen. Wirksame, bereits existierende Mittel werden nicht zugelassen und Nebenwirkungen aus Gier übergangen. Am Ende steht ein gefährliches, teures Medikament, dass sich nur die Reichen leisten können. Ron Woodrof, der selbst an HIV erkrankt ist, sagt diesem System den Kampf an. Ist er zuerst selbst vorrangig am Profit interessiert, geht es ihm vor allem durch die Freundschaft zu der Transenfrau Rayon gegen Ende vor allem um die Hilfe anderer Erkrankter. Und diesen Kampf führt er beherzt.

Wer Schauspieler werden möchte, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen. Denn Dallas Buyers Club ist ganz großes Darstellerkino. Matthew McConaughey hungert sich bis in die Magersucht und gibt den unbändigen Cowboy. Für mich ist aber sogar Jared Leto der noch größere Künstler. Kaum wieder zu erkennen erschafft er eine unglaublich feinfühlige und doch so starke Filmrolle und erhält dafür, ebenso wie McConaughey verdient den Oscar

Zum Schluss noch ein paar wichtige Zahlen:

  • Bisher sind schätzungsweise etwa 39 Millionen Menschen durch HIV ums Leben gekommen.
  • Darunter 1,8 Millionen Kinder
  • Die Verteilung auf beide Geschlechter ist relativ ausgeglichen
  • Etwa zwei Millionen Menschen infizieren sich jedes Jahr neu
  • Der weltweite Markt für HIV-Medikamente hat aktuell ein Volumen von über 22 Milliarden Dollar.

Das Thema ist mehr als aktuell.

Mach’s mit: deutsche Aidshilfe

Kommentar

 

FLAWLESS

Gier nach Geld

Auch in Flawless geht es um Geldgier und den krassen Gegensatz zwischen den Gesellschaftsschichten. Während die einen buchstäblich ums Überleben kämpfen, schwimmen einige wenige im Reichtum und kümmern sich nicht die Bohne um das Schicksal derjenigen, die sie ausbeuten. Verständlich also, dass sich ein gewisser Hass breit macht. In a most wanted man waren es islamistische Gruppen, hier ist es ein liebender Ehemann, der vor Jahren seine Frau an Krebs verloren hat, weil die Versicherung nicht zahlen wollte. Das Kleingedruckte gehört zum Kapitalismus eben dazu, wie das Amen in der Kirche und vor allem in den USA ist das Recht auf Seiten desjenigen, der sich den besseren Anwalt leisten kann. Auch die Armen Afrikaner, die in Diamantenmienen sterben sind ein Thema.

Also rächt man sich. Und wie macht man das? In dem man den Reichen das weg nimmt, was ihnen am Wichtigsten ist: nämlich Kapital und Ansehen. Allerdings kratz der Film gesellschaftskritisch nur an der Oberfläche und konzentriert sich stattdessen auf den Coup an sich. Der wiederum ist zwar amüsant, aber leider doch etwas unglaubwürdig. Ein alter Mann erleichtert die größte Diamanten Firma, in dem er 2 Tonnen Diamanten in kürzester Zeit durch ein einziges Waschbecken in die Kanalisation befördert? Und Demi Moore kündigt als Karriere geile Angestellte bei der Firma, kurz nachdem sie befördert wurde um dann ihr gesamtes Vermögen in Afrika zu verschenken? Mhhh, ein bisschen zu platt für meinen Geschmack. Durch Michael Caine aber ein ganz netter Sonntag-Nachmittag Film.

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