ABGRÜNDIGES und SURREALES

Was ist REAL?? Und wer sagt, dass die Wirklichkeit, wie wir sie sehen wirklich wirklich ist? Hat nicht jeder seine eigene Wahrheit? Und was fasziniert uns so an dem Mystischen und Surrealen?

Will der Verstand einfach alles begreifen, sind wir einfach unglaublich neugierig? Oder wollen wir unserem Verstand entfliehen und uns in neue, uns unbekannten Welten entführen lassen, um neue Realitäten zu erschaffen, die wahrscheinlich doch nur wieder unsere eigenen sind?

 

Mullholland Drive

Wer bin ich?

Und wo und wann? Gibt es die eine Realität, eine geradlinige Gegenwart, in der wir alle leben und die die meisten Menschen als gleich empfinden? Oder gibt es andere Realitäten, die wir nur nicht erfassen können? Oder nur zu bestimmten Momenten oder in bestimmten Situationen? Und kann ich in einer anderen Realität jemand anderes sein und trotzdem ich bleiben?

David Lynch’s „Mulholland Drive“ ist der Klassiker unten den surrealistischen Filmen. In einer Umfrage des BBC wurde er zum besten Film des 20. Jahrhunderts gewählt. Ich persönlich liebe diesen Film! Die verwobenen Handlungsstränge, die tiefschichtigen und mysteriösen Charaktere, die starken Bilder hinterlegt mit bizarrem Syntheziser Musik und der Sog der Neugierte und Spannung, die die rätselhafte Geschichte aufwirft. Er ist so einfach und doch so komplex.

Das Grandiose an der Story um Liebe, Eifersucht und Mord ist, dass sie die Lösung der Interpretation uns überlässt. Es gibt nicht die eine objektive Wahrheit, das Puzzel ist nicht logisch zusammenzusetzen. Jeder sieht darin, was er erfasst und was nicht, was er auf Grund seiner Erfahrungen wie deutet.

Ich will hier keine großen Interpretationsmöglichkeiten auflisten, die im Netz zur genüge kursieren. Darüber, wer was wann wie getan hat, damit die Story einen logischen Sinn ergibt. Die Frage ist, muss es einen Sinn ergeben? Kann es das überhaupt? Macht das Leben einen Sinn? Und wenn ja für wen, wann? Gerade erscheinen die ersten wissenschaftlichen Theorien über Paralleluniversen und darüber, dass es uns alle mehrfach gibt. Vielleicht ist Lynch aus einem zukünftigen Paralleluniversum zurückgekehrt und hat einen ganz normalen Film gemacht…

Den Regiepreis in Cannes und eine Oscarnominierung hat er in unserem Universum trotzdem verdient.

Kommentar

 

Beasts of the southern wild

Könnt ihr euch noch erinnern?

Als Kind hat man eine unbändige Phantasie! Alle Kinder besitzen sie, manche mehr, manche weniger. Sie denken sich Geschichten aus und erschaffen sich Spielgefährten, versuchen sich Dinge zu erklären und Situationen zu verarbeiten. Normalerweise holt die Gesellschaft die Kinder in die Realität zurück, aber bei der kleinen Hushpuppy kommt es anders. Als die Mutter verschwindet und der Vater ernsthaft krank wird, hilft ihr ihre lebhafte Fantasie zu überleben. In der ohnehin schon mystischen, entlegenen Welt von Süd-Louisiana erwachen die Tiere und Götter ihrer Kultur in ihrem Geist zum Leben. Dinge, die ihr begegnen werden zu Lehrern und Schutzpatronen, die trostlose Welt vermischt sich mit bunten Farben und Tönen, einer schier unendlichen positiven Energie.

Gott, wäre das nicht schön, wenn man noch einmal den Zugang zu dieser kindlichen Fantasie besitzen könnte?!

Ich glaube, dass sich das einige gewünscht haben, als sie den Film angeschaut haben. Denn das Erstlingswerk des Regisseurs Benh Zeitlin schlug beim Sundance Filmfestival 2012 ein wie ein Lichtblitz. Danach wurde der Film für vier Oscars nominiert: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin und bestes adaptiertes Drehbuch.

Für all diejenigen, die die Welt wieder mit einem neugierigen Staunen erleben wollen, lasst euch in die märchenhafte Welt der kleinen Hushpuppy entführen. Auch die komplexesten und härtesten Dinge, werden mit einem Mal leichter.

Mich hat er auf jeden Fall verzaubert – und euch?

Kommentar

 

Shutter Island

Was ist Wahrheit?

Was aber, wenn man sich in dieser Fantasie gänzlich verliert? Unter Umständen nicht mehr weiß, was real ist und was Einbildung? So wie in einem endlos langen Traum, in dem man nicht mehr sicher ist, ob man wach ist oder schläft. Vielleicht, weil man getäuscht wird, vielleicht weil man unter Drogen steht, vielleicht, weil man sich selbst schützen muss? Und wem kann man überhaupt noch glauben, wenn nicht sich selbst? Und kann man das jemals?

Die Psyche des Menschen ist faszinierend und mächtig. Sie äußerlich manipulieren, ja sogar kontrollieren zu können ist eine verlockende Vorstellung für Militärs, Geheimdienste und Diktaturen dieser Welt. Für Teddy, ambitionierten Marshall und Soldat im 2. Weltkrieg eine gänzlich schreckliche Vorstellung. Auf Shutter Island, einer abgelegenen Anstalt für psychisch kranke Schwerverbrecher geht er dem mysteriösen Verschwinden einer Patientin und seiner Vergangenheit auf den Grund.

Der Meister of suspense Martin Scorsese schickt Leonardo di Caprio in ein tragisches Verwirrspiel zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit. Wie stark sind wir selbst in unseren Gedanken, Erinnerungen und Einbildungen verstrickt? Wie biegen wir uns die Dinge zurecht, damit wir den Schmerz der Wahrheit nicht ertragen müssen? Im Grunde kann man nicht flüchten vor den Tiefen unserer Psyche.Am Ende hat Teddy seine Psyche selbst nicht mehr unter Kontrolle, er weiß nicht mehr was „wahr“ ist. Aber sind deshalb all seine Überlegungen falsch? Wissen wir wirklich, was in dem Leuchtturm vor sich geht, den die Kamera am Ende des Films noch einmal einfängt?…

Shutter Island ist eine einzige Täuschung. Aber wer täuscht hier wen?

Endlich mal wieder ein intelligenter, gut gemachter Thriller!

Kommentar

 

Snowpiercer

Unsere Gesellschaft in einer Nußschale – das gab es ja schon öfter zu sehen. So absurd wie der koreanische Regisseur Bong Joon-ho, hat es aber wohl noch keiner vollbracht. In einem Hochgeschwindigkeitszug lässt er die letzten Überlebenden einer Eiszeit über die Erde rasen.

Wie in einem Videospiel kämpfen sich die Revolutionäre aus der unterdrückten Klasse nun Level um Level nach vorne. Dabei sind die Charaktere ebenso wie in einem alten Videospiel ziemlich plakativ und überzogen. Alles in allem ist das Szenario eine skurrile Mischung aus Sience Fiction, Satire, Fantasy und Gesellschaftsdrama. Real wirkt es auf jeden Fall nicht und anstatt Sog und Faszination hat sich bei mir leider nur latente Langeweile eingestellt. Oder habe ich etwas Wesentliches übersehen??

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